Die Finanzkrise und ihre Bewältigung

Subprime mortgages gelten als Auslöser der Finanzkrise - die Ursachen und damit die Ansätze zur Bewältigung der Krise liegen jedoch tiefer.

Die folgenden Faktoren repräsentieren Meilensteine des Globalisierungsprozesses in der Finanzbranche und sind gleichzeitig Ursache der heutigen Finanzkrise:

  • Deregulierung und Integration liberalisierter Finanzmärkte
  • Entwicklung sog. Finanzinnovationen – Spekulationsinstrumente, die größere Gewinn-, aber auch Verlustchancen schafften, die wiederum ein spekulatives „trading“ ermöglichten. Dies hatte eine Instabilität von Aktien-, Wechselkursen sowie Rohstoffpreisen zur Folge.
  • Entwicklung technischer, computergestützter Spekulationssysteme, die u.a. auf Markt- bzw. Preistrends setzten – sog. trend followers – und somit die Trends verstärkten.
  • Steigende Renditeansprüche der (großen) Unternehmen/Aktionäre. Finanzinvestitionen wurden ausgeweitet und Realinvestitionen entsprechend reduziert, um die hoch gesetzten Renditeziele zu erreichen.

Diese Entwicklungen drücken sich auch in einem enormen Anstieg des  Handelsvolumens von Wertpapieren und Derivaten und einem gleichzeitigen Rückgang „traditioneller“ Produkte wie Sparbuch oder Sparbrief aus. Das führte dazu, dass der Wert aller Finanztransaktionen in Industrieländern mehr als das 100-fache des nominellen Bruttoinlandsproduktes (BIP) beträgt. Gleichzeitig nehmen kurzfristige Kursschübe – steigende Volatilität – zu, die sich zu bull markets bzw. bear markets akkumulieren.

Auslöser der aktuellen Finanzkrise sind die Investitionen bzw. Beteiligungen von Banken und Institutionellen Anlegern (u.a. Hedge Fonds) an „faulen“ Hypothekenkrediten (subprime mortgages) in den USA. Die damit einhergehenden Risiken wurden vor dem Hintergrund der gestiegenen Renditeansprüche billigend in Kauf genommen, um diese erfüllen zu können. 

Ein im Vergleich zum Immobilienboom hohes US-Zinsniveau und ein (vorerst) geringer Rückgang der Immobilienpreise genügten, um einige dieser Kredite (vorerst) uneinbringlich zu machen. Dies hatte eine Vertrauenskrise im Bankensektor und fallende Kurse an den Aktienbörsen zur Folge.

Die Hauptursache des weiteren Kursverfalls hingegen geht auf den Boom der letzten Jahre zurück: Seit März 2003 ist der DAX um mehr als 350% gestiegen, seit Oktober 2002 der Dow Jones um knapp 100%. Je länger ein solcher bull market besteht, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit einer Umkehrung in einen bear market. Diese kündigte sich bereits im März und Juni 2008 an, als die Kurse im DAX um deutlich mehr als 10% fielen. Professionelle Investoren warten nur auf einen Auslöser, um von long (Käufer-Position) auf short (Verkäufer-Position) zu wechseln. Die Folge sind Kurse die schneller fallen, als sie zuvor gestiegen sind. Wer rechtzeitig darauf setzt macht hohe Gewinne, was gleichzeitig den Abwärtstrend verstärkt. Zwischen 2000 und 2003 wurden im DAX so fast die gesamten Kursgewinne der 90er Jahre eliminiert.

Zur Bewältigung der aus der Finanzkrise resultierenden eingegangenen Risiken sind individuelle Lösungskonzepte notwendig, die auf den bereits bei den verschiedenen Marktteilnehmern wie Banken, Versicherungen und institutionelle Anleger vorhandenen Risikomanagement­­­­­­­systemen aufsetzen.

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